Diary

Seit vier Jahren beteiligt sich das Hans Böckler Berufskolleg in Marl an den Netdays. Meist richteten sich die Projekte auf technische Entwicklungen und ihre Implementierung in den Alltag der öffentlichen Schule. 1998 stellten wir ein elektronisches Klassenzimmer vor, das auch bereits damals mit Kosten von ca. 30.000,- DM weit unter den seitens der Industrie berechneten Werten lag.

In diesem Jahr wollten wir die Erfahrungen der letzten Jahre in einem Neuanlauf integrieren. Unser neues, öffentlich zugängliches elektronisches Klassenzimmer soll durch finanziellen Minimalaufwand ein "Eine Welt" Klassenzimmer werden. 14 vollwertige Arbeitsplätze sollen mit einem Kostenaufwand von ca. 2000,- DM entstehen. Im Hintergrund steht die Überzeugung, dass einer weiteren Ausstattung von öffentlichen Schulen mit Rechnern in der herkömmlichen Bauweise, aufgrund der hohen Kosten und des ständig steigenden Administrationsaufwandes, kaum überwindbare Grenzen gesetzt sind. ???

Den Anfang unserer Versuchsreihe machte eine sogenannte "Medienecke zum Nulltarif". Hier wurde erstmals das Thin-Client/ Terminalserver System angewendet. Als Thin-Clients dienten ausgediente 486'er mit 8 oder 16 MB RAM, 1 MB Grafikkarten und 10 Mbit Netzwerkkarten, als Server ein Pentium II mit 450 MHz, 64 MB Ram, 1 MB Grafikkarte, 10 Mbit Netzwerkkarte, ISDN Karte. Das Gesamtsystem kostete knapp 1000.-DM und funktionierte bereits recht beeindruckend. Allerdings wurden die clients noch über Disketten gebootet, die Verbindung hielt ein einfacher HUB, und der Server hatte noch diverse Probleme, besonders, wenn versehentlich sehr viele Programme gestartet wurden.

Das Grundsystem erschien uns jedenfalls tragfähig: unzählige Festplatten, Laufwerke, stromfressende und wärmeproduzierende Prozesse, Wartungs- und Administrationsstunden könnten der Vergangenheit angehören.


In einer zweiten Stufe, nach den Osterferien, erweiterten wir die Idee in größeren Dimensionen. Wir benutzten den bereits 1998 bei den Netdays vorgestellten Rechnerraum, bestehend aus zwölf Clients, einem Server, einem Lehrerrechner und einem Sonderplatz und simulierten dort das thin client Modell und erprobten es mit mehr Schülern und einer größeren Anwendungspalette in einem 100Mbit Netz. Aus diesen Experimenten konnten wir nähere Angaben über Systemanforderungen für den Terminalserver gewinnen.

Mittlerweile waren unsere "neuen" Altrechner eingetroffen, es handelte sich um Geräte aus dem Jahre 1991,













Für den Raumzugang griffen wir auf unser bereits sehr bewährtes chipkartengesteuertes System zurück, das viele Möglichkeiten bietet von der Protokollierung der Anwesenden bis hin zur Rechtevergabe. Mittels einfacher Telefonkarten kann den Schülern so Zugang zu dem Raum verschafft werden, indem ohnehin keine wertvollen Geräte stehen.

die wir mit 3com Netzwerkkarten bestückten, auf denen nunmehr selbstgebrannte EPROMS den Bootvorgang zum Terminalserver bewerkstelligen sollten. Leider stellte sich heraus, dass der größte Teil der Rechner neuwertige 100Mbit PCI Karten nicht verkraftete, die beiden achtfach Switche konnten aber diesen Mangel gut kompensieren.



Nun ging es um die Konfiguration des Terminalservers. Leihweise stellte uns Herr Schöbel, Programmierer der Suchmaschine www.acoon.de, einen etwa 25000.- DM teuren Profiserver der Fa.Fujitsu/Siemens zur Verfügung. Gemäß unserer hohen Ansprüchen an dieses Gerät sahen wir hier immer den mit Abstand größten Kostenfaktor. Die ausgiebigen Versuche und der Preisverfall im Hardwarebereich aber haben dann zu völlig unerwartet niedrigen Kosten ohne Qualitätseinbußen geführt.
Dann am 1. 10. 2001 kam endlich die offizielle Eröffnung des Klassenraumes mit Presse und Gästen.
Seit dem 1.Oktober 2001 ist der Raum seiner Bestimmung übergeben. Die erste Woche mit viel Schülerandrang hat er völlig unbeeindruckt überstanden.



Vom Samstag dem 3.11. auf Sonntag den 4.11. 2001 waren wir mit unserer Idee auf der "WDR-Computernacht" im Heins Nixdorf Museum in Paderborn. Wir wurden eingeladen vom Verein "Lernen in der Informationsgesellschaft".


Nochmals unsere Gesamtkosten:

Serverneuteile1273,- DM
4x 100Mbit Netzwerkkarten120,- DM
EPROMs100,- DM
2x 100Mbit 8-port Switche210,- DM
Chipkartensteuerung200,- DM
Kabel, Stecker100,- DM
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gesamt2003,- DM


Ergänzungstexte

   Einladung zum Pressegespräch

   Eröffnungsrede

   Theorie

   Artikel mit Überlegungen zu dem Projekt

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