Alles, was Du tust, ist Deine Religion!


Stellen wir uns nur einen Moment lang vor,

 daß wir nichts sind als das Produkt von Molekülen, die Verbindungen eingingen und durch die Mühlen einer Jahrmilliarden dauernden natürlichen Auslese gedreht wurden;

 daß wir nichts weiter sind als Leiterbahnen von Flüssigkeiten und Chemikalien, die sich durch Milliarden tanzender Zellen winden, während im Hintergrund Billionen von Synapsen murmeln;

daß auf dieser gewaltigen, geleeartigen Masse von filigranen Schaltkreisen Algorithmen laufen, von denen die moderne Wissenschaft nicht einmal träumen kann,

daß wir mithilfe dieser Programme entscheiden, lieben, sehnen, glauben und hoffen.

Für mich wäre dieses Verständnis alleine schon „göttlich“ und größer als alles, was in irgendeinem heiligen Buch nachzulesen ist.

Was jenseits der Grenzen der Wissenschaft existiert, bleibt eine offene Frage für alle Generationen, aber selbst wenn sich der reine Materialismus als richtig erweisen sollte, dann wäre das schon genug.

Die Wahrnehmung dieses Materialismus kränkt nicht unser „Ich“, wie Freud noch meinte, die Magie dieser Welt erscheint in viel gleißenderem Licht: 

 Das biologische Behältnis, das wir „Ich“ nennen, sprengt jede Phantasie, das System, das wir sind, ist derart komplex, der Maßstab seiner Interaktionen liegt derart weit jenseits unserer Vorstellungskraft und Selbsterkenntnis, daß wir mit gutem Recht sagen müssen:

es ist größer als wir, und wir sind dafür in hohem Maße dankbar!

(vgl. David Eagleman, Inkognito, Ffm.2012)